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10. Dezember 2022

„Bestien, wir Bestien“ von Martina Clavadetscher – Schauspiel Bern (UA)

Für ihren Roman „Die Erfindung des Ungehorsams“ wurde die Schweizer Autorin Martina Clavadetscher 2021 mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet. «Clavadetscher zählt als Dramatikerin wie als Erzählerin zu den originellsten und wagemutigsten Stimmen ihrer Generation», schrieb Manfred Papst in der NZZ. In ihrem neuen Stück für das Schauspiel Bern beschäftigt sie sich mit Fluch und Segen der menschlichen Fortpflanzung. Wäre es angesichts der aktuellen Katastrophen nicht besser, uns von dem gesellschaftlichen Reproduktionszwang zu befreien? Oder ist diese Freiheit nur eine vermeintliche, da sich der Wunsch nach Fortpflanzung eben nicht rational wegargumentieren lässt? Oder wird die Natur eines Tages dafür sorgen, dass die menschliche Spezies aufhört zu existieren? Clavadetscher fächert das Thema in zwei poetische Welten in der Zukunft auf: «Die Welt wuchert weiter. Und wir alle wuchern in ihr. Das nennt man Leben», heisst es im Stück.

https://buehnenbern.ch/spielplan/programm/bestien-wir-bestien/

(B Ute Radler, K Naomi Kean, M Johannes Hofmann, D Julia Fahle)



12. Mai 2023 
„Einfache Leute“ von Anna Gschnitzer – Stadttheater Konstanz 

Alex hat es geschafft, herausgeschafft aus ihrem armseligen Heimatort, dem bäuerlichen Mief des Elternhauses, dem Prekariat. Nach dem Abitur und dem Studium der Kunstgeschichte hat sie eine Anstellung als Kuratorin in einem Museum für Zeitgenössische Kunst in der Großstadt ergattert, ihre Herkunft erfolgreich verschleiert, ihren Dialekt abgelegt, den Kontakt zu den Eltern auf gelegentliche Telefonate beschränkt. Kurz: Sie hat einen Bilderbuchaufstieg hingelegt. Dass dabei Toni, ihre erste Liebe, auf der Strecke und alleine im Heimatort zurückgeblieben ist, hat sie billigend in Kauf genommen. 
Heute ist Alex 40. Sie wird – nicht zum ersten Mal – übergangen, als eine neue Chefposition im Museum frei wird. Ob sie es geschafft hat oder nicht, ist nicht mehr so einfach zu beantworten. Das schale Gefühl, nicht dazu zu gehören, ist nie ganz verschwunden. Da flattert eine Postkarte von Toni in ihren Briefkasten, und sie macht sich auf den Weg – nach Hause. 
Anna Gschnitzer hat mit „Einfache Leute“ ein Stück zum Thema Klassismus geschrieben, in dem sie Szenen von früher mit der Gegenwart mischt und schonungslos ehrlich über die Frage nachdenkt, inwieweit die Verhältnisse, in die wir hineingeboren werden, unsere Zukunft bestimmen. Was heißt es heute eigentlich, es „geschafft“ zu haben? 

https://www.theaterkonstanz.de/einfache+leute

(B&K Ute Radler, D Romana Lautner) 


Wiederaufnahme SZ 22/23  
„Auerhaus“ von Bov Bjerg – Thalia Theater Hamburg 
(Premiere November 2017)

Vier Freunde treffen sich nach zehn Jahren am Grab ihres toten Freundes wieder. Diesmal hat er es geschafft. Frieder hat sich umgebracht. 
Er hatte schon einmal versucht sich umzubringen – Frieder hat Depressionen. 
Anfang der achtziger Jahre in einer westdeutschen Kleinstadt: Damit das nicht wieder passiert, ziehen seine besten Freunde mit ihm in das leerstehende Haus seines Großvaters. Fünf junge Menschen im Auerhaus – damals läuft „Our House“ von Madness im Radio rauf und runter: „we would have such a very good time, such a fine time, such a happy time and I remember how we play simply waste the day away“. Im Auerhaus gibt es kaum Regeln und neben den Vorbereitungen zum Abitur werden Partys gefeiert und mit Drogen und freier Liebe experimentiert. Denn „Liebe ist kein Kuchen, der kleiner wird, wenn man ihn teilt.“ Aber alles hat mal ein Ende… „Auerhaus“ feiert die Unschuld der Provinz, der Jugend und des Moments – aber vor allem die Gemeinschaft.

https://www.thalia-theater.de/stueck/auerhaus-2017

(B Ute Radler, K Miriam Zabek, M Johannes Hofmann & Frieder Hepting, D Emilia Linda Heinrich)